Portallösungen und Fachkonzepte für den eGovernment Bereich

Portalstrukturen und fachliche Portalkonzepte für das eGovernment

Das Portal als Begriff wird im deutschen Sprachgebrauch unterschiedlich definiert und verwendet. In unserer Ausarbeitung verstehen wir Portale als benutzerfreundliche, standardisierte, sichere und personalisierbare Zugangssysteme zu Informationen, Anwendungen, Prozessen und Personen mit Verknüpfungen zu verschiedenen Hard- und Softwareanwendungen in einem komplexen Verwaltungsnetzwerk.

In den modernen Portalen der öffentlichen Verwaltung sollen vorhandene Verwaltungsangebote verschiedener Verwaltungsabteilungen und deren Leistungserstellungsprozess gebündelt, aufbereitet und je nach Bedarf dem Bürger den öffentlich-rechtlichen Organisationen und den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Verwaltungsportale werden in der Zukunft auf Basis von modernsten Standards und ITK-Technologien in der Lage sein Informationen und Prozesse personalisiert zu bündeln und rechtsverbindliche Geschäftsvorfälle durchzuführen.

Diese hochtechnologischen und flexibel aufgebauten Portale eröffnen durch grenzüberschreitende Informations- und Prozessverarbeitung, Freiräume in der Verwaltung, um Organisationsstrukturen und Prozesse flexibel zu gestalten und somit ihre Wertschöpfung zu erhöhen.

In der Praxis bestehen derzeit noch unterschiedliche Auffassungen was unter einem Portal überhaupt zu verstehen ist und welche Portaltechnologien in der öffentlichen Verwaltung genutzt werden sollten.

Hochleistungsportal-Konzepte Jörn von Lucke

Hochleistungsportal-Konzepte Jörn von Lucke

Folgende Begriffsdefinitionen (vgl. von Lucke, Hochleistungsportale für die öfftenliche Verwaltung, 2008, Band 55, Reihe Wirtschaftsinformatik) zu Portalen in der öffentlichen Verwaltung sollen einen ersten Ansatz einer standardisierten Begriffsdefinition aufzeigen und eine Hilfestellung geben

Verwaltungsportale – sind leicht bedienbare, sichere und personalisierbare Zugangs-systeme. Der Anwender kann anhand der Zugriffsberechtigung einen Zugang zu Informationen, Anwendungen, Prozessen und Personen aus Parlament, Regierung, Verwaltung, Justiz und öffentlichen Unternehmen erhalten. Diese Informationen werden durch die Integration diverser Systeme der öffentlichen Hand erschlossen, gesammelt und über ein Portal bereitgestellt. Verwaltungsportale können mehrere Kontaktpunkte und Zugangskanäle haben wie z.B. direkt elektronisch, interaktiv, sprachtelefonisch, persönlich und über den papierschriftlichen Weg.

Behördenportale – sind öffentlich zugängliche Portale, die im Hinblick auf eine ganz bestimmte Verwaltungseinheit und deren Aufgabenspektrum gebildet worden sind. Diese Portale werden wiederum untergliedert in vier Portalebenen, den überstaat-lichen Behördenportalen, den Bundesbehördenportalen, den Landesbehördenportalen und den kommunalen Behördenportalen. Diese Portale sind eine Anlaufstelle für Bürger, Unternehmer, Vereine & Verbände und Verwaltungseinrichtungen um mit der zuständigen Behörde oder Verwaltungseinrichtung zu einem bestimmten Angebot oder Information Kontakt aufzunehmen.

Behördenübergreifende Portale – sind Portale die von mehreren Behörden gemeinsam konzipiert, unterhalten und betrieben werden können. Mit behördenüber-greifenden Portalen soll versucht werden, Angebote mehrerer Verwaltungsbehörden in einem zentralen Portal zu bündeln. Behördenübergreifende Portale können auf einer internationalen, nationalen und subnationalen, kommunalen Ebene eingerichtet werden und werden so zu behördenübergreifenden Kommunikations- und Informationszentren.

Gebietskörperschaftsportale – sind Verwaltungsportale die auf eine bestimmte Gebietskörperschaft ausgerichtet sind bzw. sich auf ein räumliches Gebiet erstrecken. Die Kategorisierung der Gebietskörperschaftsportale bezieht sich auf die nationale (Staat) und subnationale Ebene (Bundesländer, Regionen, Bezirke) in einem dreigliedrigen Staatenaufbau. In einem engeren Sinn kann sich ein Gebietskörperschaftsportal aber auch auf eine Verwaltungseinrichtung (Gemeinde)  und ihre angeschlossenen Verwaltungsbetriebe beziehen.

Mittlerportale – sind Portale die einen beschränkten Zugriff auf die Anwendungssysteme der Verwaltung erhalten. Über ein Mittlerportal werden alle relevanten Informationen, Anwendungen und Prozesse die als Mittler benötigt werden zur Verfügung gestellt. Typische Mittlerportale sind Jobportale und Serviceportale die von externen Teilnehmern genutzt werden

Intranet / Extranet Portale –  sind Portale die sich nach dem jeweiligen Fachbereich oder der Behörde ausrichten. Diese Portale sind nicht frei zugänglich und eignen sich für eine verwaltungsinterne Informationsbereitstellung und Prozessabwicklung.

Wissensportale – sind Portale, die zur Wissensgenerierung, -verteilung und nutzung verwendet werden. Diese Portalform eignet sich auf als öffentlich zugängliches Portal und ist struktur- und ebenenunabhängig, ob Fachbereich, Behörde, Region etc. Diese Portale können als Informationssammelstelle, als Verbund von Wissensportalen als sogenanntes Masterportal und Expertenverzeichniss dienen.

Geschäftslagenportale – sind Unternehmensportale die wiederkehrende Geschäfts-prozesse, Services, Informationen und Ereignisse abarbeiten oder bereitstellen. Diese Portale orientieren sich an den Unternehmensprozessen und ihre Gesetztmäßigkeiten. Geschäftslagenportale sind Zielgruppen und Aufgaben orientiert.

Lebenslagenportale – sind Portale für den Bürger, die Verwaltungsinformationen und Dienstleistungen in all seinen Lebenslagen anbieten. Die Prozesse, Produkte und Services beziehen sich auf die spezifischen Lebenslagen eines Bürgers aus den Bereichen Staat, Verwaltung und Wirtschaft, Bildung u. Kultur.

Verwaltungsebenen übergreifende Portale – sind Portale für Behörden und Gebietskörperschaften, die eine einheitliche Anlaufstelle für Produkte und Services über mehrere Verwaltungsebenen und -bereiche hinweg für den Nutzer anbieten.

Auf Grundlage der Anforderungen des Benutzers aus Anwendersicht und der Verwaltung aus der fachspezifischen Sicht werden die Portalkonzepte zur Definition herangezogen. Das Modell der Vordergrund und Hintergrundverwaltung wirkt sich besonders bei den Behörden- und Verwaltungsebenen mit übergreifenden Portalen aus.

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In den nächsten Artikeln werden einige Beispiele von Hochleistungsportale und Online Fachkonzepte anhand verschiedener Hersteller kurz umrissen und dargestellt.

Autor: Franz Schreiber